Von Gewohnheiten und Maassen

Reflexion über 18 Polaroid-Inszenierungen von Paul Albert Leitner

 

Als er aber in das Schloss gekommen war – 7 Jahre soll Amerika gebrannt haben – DA sprang Tristan an den Strand und Leid und Freude vertauschten sich. Vor dem herandrängenden Volke und vor den Feinden bedeckte er seine Wunde mit dem Schild. „Nun musste ich mich entscheiden, ob ich der Sonne wohlgesinnt sein würde.“

 

Indes ersteht uns Lazarus  – oft gekreuzigt, noch immer nicht gestorben, viele Ideen begraben, aufgefahren aus dem tyroler Thal zu fremden Kontinenten , sitzt er zur Rechten seines Bettes As . Von dort entdeckt er durch tägliches Studium und fleissiges Üben den fast unhörbaren Leersatz  : „Nachdem wir etwas gefunden haben, beginnen wir zu zweifeln.“   Eilends auf dem schlagartig freigelegten Weg   zum rätselhaften Zentrum des photosophischen Labyrinths vorwärtsdrängend – letztlich heisst schlafen: säen  – hatten sich aber Tristan und die Seinen wie fremdländische Kaufleute in weite Mäntel gekleidet dass man ihre ritterliche Gestalt nicht erkennen konnte.

 

Um weiterhin unerkannt am Ende der Welt mit beifälligen Schauer [SCHAUEN] näher zu kommen, begann er verschiedene Wolkenformationen zu erklimmen – das im fern osiriszierenden Licht steil abschüssiger Köpfe erscheinende Apagonien  ward gewissenhaft im Auge behalten. Kaum ist die Kettenreaktion seiner Mutationen verhallt, steht, sitzt und liegt er in verschiedenzahligen, himmelweiten Dimensionen seiner nackten Seele. Letzte Spiegelungen dere gedächtnishaften Welt werden durch magisch polaroisiertes, gleich Wattebauschen die Erinnerung verdampfendes Eis überwunden. (Das Nichtseiseiende dringt auch noch ein in das, was keinen Zwischenraum hat.  )

 

Endlich scheint die Verwechslungsgefahr von wahr und wirklich gebannt – Jerusalem ist nah! Aus dem jemseits Vorhandenem ruft er uns zu: „Ich bin einer von Euch – UND doch ist jeder verschieden von uns.“ (Ek III/27)

 

                                   Tristan

                                   ohne

                                   Isolde

                                   ohne

                                   Tristan

                                   ohne

                                      .

                                      .

   .

 

Ferner: „Wenn der Himmel unbegrenzt wäre, sich aber im Kreis bewegte, so müsste er in

              einer begrenzten Zeit ein Unbegrenztes durchlaufen haben.“

 

(Vater Ubu, sein Gewissen an der Hand: Pataphysik ist die Wissenschaft imaginärer Lösungen – wo ist JETZT!)

 

Als er aber sah, dass er gesund und seiner früheren Gestalt ähnlich wurde, fürchtete er von den Rittern erkannt zu werden und dachte auf seine Heimkehr. Knapp vorm bisher nie festgestellten Ort, da die sehnlich machenden Aufzeichnungen verborgen, zerbrach mein Herz an dem seinen – wir wollen unsere Leiber fortwerfen, sie sind ein schlechtes Haus – Licht um Licht wird fürderhin die Mumie umhüllen.

 

Wir üben die Auferstehung des Geistes und [wünschen] das Leben in der anderen Welt.

 

Sie eilten und fanden die Spur im Sand. Tristan war entflohen.

 

 

 

1  Paul A. Leitner: Brief an einen Freund

2  … tief geschlafen musst er haben.

3  Wien, Los Angeles, Lima, …

4  A. Jarry: „Heldentaten und Leben des Dr. Faustroll (Pataphysiker)“ 1. Buch, Kap. 6

5  „Dreissig Speichen umgeben eine Nabe:

    In ihrem Nichts besteht des Wagens Werk.“

    (Tao te king)

6  „Darum: Wer den SINN hat,

    weilt nicht dabei.“

   (Tao te king)

7  Federico Garcìa Lorca

8  Süd-Atlantis

9  Laotse

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