Re-Ligio: Innen und Aussen

Re-ligio: Das sich mit sich selbst (zurück)verbinden. Um zu klingen – per sonare: Person; vielleicht „Fuß fassen“ im heutigen Sinn, das über das zweifache Anknüpfen funktioniert  – die äusseren Bedingungen und die innere Sehnsucht (oder besser: die innere Schau!)

 

In allen religiösen Schulen finden wir Exegeten, die die Lehre und Erlangung der (etwaigen) Erleuchtung in Büchern beschreiben und Esoteriker – die nach Innen Gewendeten, im Verborgenen Wirkenden, die ihr Tun nur ausgesucht Geprüften weitergeben.

 

Im Begleittext der Installation wird eine zweifache Betrachtungsweise derselben beschrieben: Nämlich die von INNEN und die von AUSSEN. Beide ein unterschiedlich akustisches, wie optisches Erlebnis! Wobei sich der Komponist auf den Vorschlag der verschiedenen Betrachtungsmöglichkeit zurückzieht und keinerlei Wertung der beiden Standpunkte einnehmen kann: Im Gegenteil. Jede(r) kennt die Momente, da äussere Wirkkräfte wichtig und förderlich sind und die Augenblicke der Distanz zum Aussen, der Aufnahme des inneren Monologs …

 

Das Aussen – das Innen: Am Tempel aussen der sechsfache Stern (Zahl des Materiellen, Statischen). Im Inneren brennt der siebenfache Leuchter für die tatsächlich Anwesenden (Zahl des Immateriellen, Bewegten, nicht Fasslichen – Überirdischen).

 

Vom Denken zum Klingen: Natürlich ist die Zahl in der Musik von grundlegender Bedeutung (oder: Die Zahl ist die Natur der Musik!). Der eine [Messiaen] hat durch sein „Mode de valeurs et d´intensités“ den unerforschlich vollkommenen Kontrapunkt des anderen [Bach] auf die nächste Ebene gehoben: Die „Kontrapunktik“ aller Parameter in der Musik. Die Strenge der seriellen Musik vom einen (mit gutem Grund) bald verlassen (NICHT IHR DENKSCHEMA!), erwacht ihre tote Mathematik mit heutiger Technologie zu neuen gestischen Möglichkeiten. Die strenge Beziehung aller Parameter weitet sich auf den musikalischen Raum aus und wird mit ins formale Denken genommen, um so zu neuen Freiheiten zu gelangen.

 

Sowie “Melodie” oder “Klangfarbe” verschiedene Schrift-Bilder brauchen, entwerfe ich für jedes Stück das formale Gesamte und führe den Klang – die Musik – das „Werk“ in ihre ureigensten „Spiel-Räume“ (die Kategorie der „Klanginstallation“ eigentlich nicht tangierend, wenn sich´s auch äußerlich als solche darstellt). Einerseits detailversessen in tausendstel Sekunden kalkuliert und andrerseits im übergeordneten Netzwerk aller aufeinander wirkenden Parameter neue Synapsen, neue Schaltstellen der Spiritualität entwickelnd …

 

 

Alles Sichtbare haftet am Unsichtbaren,

das Hörbare am Unhörbaren - das Fühlbare am Unfühlbaren.

Vielleicht das Denkbare am Undenkbaren ...

NOVALIS